Ewigkeitssonntag

Liebe Angehörige und Freunde – in dankbarer Erinnerung an liebe Menschen, 

noch einmal den Namen eines Angehörigen, Freundes oder Nachbarn zu hören; noch einmal Zeit für Bilder und Erinnerungen zu haben; sich noch einmal trösten zu lassen – durch Worte und Musik; noch einmal ein Licht anzuzünden – diese alten Traditionen der Christenheit möchten wir in unserem Evangelischen Pfarramt Fischbach zum Ewigkeitssonntag fortsetzen – gemeinsam mit denen, die sich im zurückliegenden Kirchenjahr von einem Menschen verabschieden mussten.

Die betreffenden Trauerfamilien werden von uns, kurz vorher, angeschrieben.

Die Gedenkgottesdienste sollen unter Beachtung der aktuellen Corona-Verordnungen stattfinden.

„Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn.“ — Thornton Wilder

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/126246-thornton-wilder-da-ist-ein-land-der-lebenden-und-ein-land-der-tote/

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag – ist das ein Unterschied?

Was genau wird dort „gefeiert“ und seit wann gibt es diesen „Feiertag“?

Gibt es ein katholisches Pendant?

Der 21. November 2021 ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr, bevor dieses mit dem 1. Advent neu beginnt. Offiziell von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird dieser Sonntag als „Ewigkeitssonntag“ gefeiert. Volkstümlich und in einigen Regionen verstärkt, wird er auch als „Totensonntag“ bezeichnet. Es ist ein Gedenktag an die Toten und Verstorbenen, der in die dunkle Jahreszeit fällt und in eine Trauerwoche bzw. –zeit, mit dem zuvor begangenen Volkstrauertag, eingebunden ist. Auch vielen kirchenfernen Menschen ist diese Zeit der Erinnerung und des Gedenkens wichtig. Es ist allgemeines Brauchtum, das die Friedhöfe besucht und die Gräber der verstorbenen Lieben mit Blumen geschmückt werden.

Im Gottesdienst gedenken wir feierlich allen Verstorbenen und in besonderer Weise der Menschen unseres Pfarrverbundes, die innerhalb des vergangen Kirchenjahres von uns gegangen sind. Alle Namen werden laut verlesen und in die Fürbitte eingebunden, auch wird jeweils eine Kerze entzündet.  So ist es zu einer festlichen Gedenktradition geworden.

Erstmals wurde der Ewigkeitssonntag Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt. 1816 wurde er durch König Friedrich Wilhelm III. als gesetzlicher Feiertag für das überwiegend evangelisch geprägte preußische Gebiet eingeführt und auf den Sonntag vor dem 1. Advent festgelegt.

Als Hintergrund dafür diente wohl zum einen der Verlust seiner geliebten Frau, Königin Luise, die 1810 verstarb. Zum anderen wollte man sich der vielen Soldaten erinnern, die in den Befreiungskriegen gegen Napoleon von 1813 bis 1815 gefallenen waren. Neben der Fülle an Festtagen war es wichtig geworden, auch einen Tag zum Gedenken an die Toten zu haben.

Bis heute zählt der Ewigkeits- / Totensonntag offiziell zu den so genannten „stillen Feiertagen“ – das heißt, es gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie an Karfreitag, die je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen. Die Weihnachtsmärkte starten deshalb immer am Tag danach, wobei einige Händler darüber zunehmend unmutig sind und diese „Abmachung“ in Frage stellen.

Während an diesem Sonntag in den katholischen Kirchen der „Christkönigs-sonntag“ (Gedenken an die Königsherrschaft Christi in Ewigkeit) gefeiert wird, findet der Ewigkeitssonntag seine Entsprechung in „Allerseelen“. Allerseelen ist fest auf den 2. November und nach dem Hochfest „Allerheiligen“ terminiert. Dies geht auf Abt Odilo von Cluny und ein Dekret aus dem Jahr 998 zurück. Für Rom bezeugen Schriften aus dem 14. Jahrhundert diesen Gedenktag.

Bild: Pixabay

Die Unterschiede, im Gedenken an die Endlichkeit des Lebens und die Erinnerung an die Toten, gründen sich allerdings auf die abweichend theologische Sichtweise:

Allerseelen steht in enger Verbindung mit dem Fegefeuer. Es findet ein Gedenken der „Armen Seelen“ durch Gebet, Fürbitte und Almosen, dem so genannten „Allerseelenablass“ statt. Voraussetzung hierfür ist der Empfang der Bußsakramente, die entschlossene Abkehr von Sünde und der Empfang der heiligen Kommunion.

Die evangelische Kirche teilt die Vorstellung des Fegefeuers nicht. Vielmehr wird hier auf den „Jüngsten Tag“, das heißt Jesu Wiederkommen in dieser Welt verwiesen und angesichts der eigenen Endlichkeit der Blick auf die Hoffnung ausgerichtet: Gottes Geschichte mit uns Menschen geht, auch über den Tod hinaus, weiter! Es wird zu einem bewussteren Umgang mit der eigenen Lebenszeit aufgerufen.

Diakon Christopher Holtkamp-Umbach